AIDS FOLLIES

Berlin-Premiere: 24. Mai 2018 Sophiensaele Berlin

Work out. Ten laps. Chin ups. Look good. Steam room. Dress warm. Call home. Fresh air. Eat right. Rest well. Sweetheart. Safe sex. Sore throat. Long flu. Hard nodes. Beware. Test blood. Count cells. Reds thin. Whites low. Dress warm. Eat well. Short breath. Fatigue. Night sweats. Dry cough. Loose stools. Weight loss. Get mad. Fight back. Call home. Rest well. Don’t cry. Take charge. No sex. Eat right. Call home. Talk slow. Chin up. No air. Arms wide. Nodes hard. Cough dry. Hold on. Mouth wide. Drink this. Breathe in. Breathe out. No air. Breathe in. Breathe in. No air. Black out. White rooms. Head hot. Feet cold. No work. Eat right. CAT scan. Chin up. Breathe in. Breathe out. No air. No air. Thin blood. Sore lungs. Mouth dry. Mind gone. Six months? Three weeks? Can’t eat. No air. Today? Tonight? It waits. For me. Sweet heart. Don’t stop. Breathe in. Breathe out.

In ihrem neuen Projekt AIDS FOLLIES arbeiten Johannes Müller/Philine Rinnert weiter an einer hybriden Form des Musiktheaters, das dokumentarische Fundstücke, neue Kompositionen und Popkultur miteinander verknüpft. Den in regelmäßigen Abständen immer wieder durch die Medien geisternden Freispruch des legendären Patient Zero Gaetan Dugas' nehmen sie zum Anlass einer Auseinandersetzung mit der Krankheit AIDS und ihrer Bedeutung in der Perpetuierung von Stereotypen und nationalen Frontlinien. Dabei gehen sie von einer internationalen Recherche aus, von Gesprächen mit Zeitzeugen, Forschern, Ärzten und Aktivisten. Aus dem gesammelten Material entsteht in AIDS FOLLIES eine virus-biographische Show: Die unbekannte Geschichte des HI-Virus ist nämlich nicht nur die der „Homosexuellen“ (als Stigmatisierte einer Schwulenseuche), der Kunstszene der 80er-Jahre, der "Afrikaner" (in einer Zementierung rassistischer Stereotype), sondern auch eine europäische Kolonialgeschichte, in der neue Großstädte und mangelnde Hygiene bei Zwangsimpfungen eine Rolle gespielt haben könnten. Widerstreitende Entstehungstheorien, queerer Aktivismus, medizinische Kampfbegriffe, politische Meinungsmache und Projektionen gesellschaftlicher Feindbilder sind die Bausteine für diese Mischung aus Lecture Performance und Revue, zu der Komponist Genoël von Lilienstern die Songs beisteuert. Er überträgt Entwicklungs-Phänomene aus dem HI-Viren-Zyklus in Klangerfahrung, vertont dokumentarische Artefakte und bezieht sich dabei immer wieder auf musikalische Recherche-Fundstücke.

Eine Produktion von Johannes Müller/Philine Rinnert in Koproduktion mit SOPHIENSÆLE Berlin, brut Wien und Theater Rampe Stuttgart. Gefördert durch die Kulturstiftung des Bundes und die Senatskanzlei für Kultur und Europa - Berlin. Die Produktion wurde unterstützt durch das Residenzprogramm des Frankfurt LAB 2017.